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Selber lesen dank Reformation
Gedanken dazu von Schülerinnen der 12b

 

Selber lesen dank Reformation?

Selber lesen dank Reformation. Reformation dank Luther.
Das sagte man mir, genauso wie man mir sagte,
was für einen einzigartigen, enormen, mehr als epochalen Einfluss diese Reformation auf uns hatte.
Man sagte mir, dass dieser Luther die Welt bewegte und unsere Gesellschaft prägte.
Und dass wir ohne ihn heute nicht wären, wer wir sind.
Und ich … nickte natürlich freundlich und zustimmend – wie man das ja so tut.
Selbst wenn man sich insgeheim denkt, was interessiert mich das, aber nun gut.

In meinem Kopf schwebten dennoch Fragezeichen, die versuchten, nach längst verdrängtem, gezwungenermaßen ergattertem Wissen zu greifen.
Wer war dieser Luther? Wieso ist das heute noch relevant?
Inwiefern veränderte die Reformation unser Land?
Und was zur Hölle hat unsere heutige Fähigkeit, zu lesen, mit dem Geschehen von vor 500 Jahren zu tun?
So kramte ich also in den hintersten Ecken meines Kopfes und versuchte mein schon langsam aufkommendes Gefühl von Scham – weil mir all dies, was doch so wichtig zu sein scheint, kurzzeitig entgangen ist – gar nicht erst die Oberhand gewinnen zu lassen.
Und da fiel es mir auch schon wieder ein.
Luther – der übrigens Martin mit Vornamen hieß und nicht zu verwechseln ist mit Martin Luther King, welcher ein US-amerikanischer, herausragender Vertreter im Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit war – aber um den geht es jetzt nicht.
Denn es geht um Luther, den deutschen Bibelübersetzer, Reformator, Mönch und Theologieprofessor.
Geboren: irgendwann im 15. Jahrhundert, zu der Zeit, als noch Bildungslücken Deutschland formten.
Er stellte 95 Thesen auf, forderte eine Reform der Kirche, gelangte somit von einem Konflikt in den nächsten und trieb es letztendlich auf die Spitze, bis er im Endeffekt straffrei ermordet werden durfte – starb jedoch letztendlich krankheitsbedingt.
Durch ihn entstanden Redewendungen wie „im Dunkeln tappen“ und „die Zähne zusammenbeißen“.
Auch die Bezeichnung „ein Herz und eine Seele“ sowie der Ausdruck „Gewissensbiss“ stammen von ihm.
Er gilt als genialster Sprachschöpfer aller Zeiten,
und konnte eine reformatorische Wende einleiten.

Wir lesen jeden Tag.
Ob es nun wirklich ein Buch oder auch nur die Zutatenliste unseres Fertiggerichts oder der Beipackzettel unserer Medikamente ist – das spielt keine Rolle.
Viel mehr spielt es eine Rolle, dass wir in der Lage sind, durch Lesen eigenständig an Informationen zu gelangen.
Ein Leben ohne Lesen können wir uns heute nicht mehr vorstellen.
Selber lesen verschafft uns eine gewisse Offenheit, eine Erweiterung unseres Horizontes, eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen.
Und damit wir etwas lesen können, muss es die entscheidenden Buchstaben geben, die sich dann zu Wörtern formen, welche wiederum Sätze und ganze Texte bilden.
Und da Luthers Übersetzung der Bibel der Ursprung der Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache war,
hatte er womöglich wirklich einen Einfluss auf die deutsche Sprache und somit auf die Bildung und somit auf die individuelle Freiheit.
Dank Luther kam es zur Reformation und dank Reformation zur deutschen Sprache, wie wir sie heute kennen.
Doch daran heute noch zu denken ist schwer,
denn das historische Ereignis ist nun 500 Jahre her.
Luther tat viel und war ein weiser Mann,
vielleicht versteh auch ich das irgendwann.
Selber lesen dank Reformation.  Reformation dank Luther.
Das sagte man mir, genauso wie man mir sagte,
was für einen einzigartigen, enormen, mehr als epochalen Einfluss diese Reformation auf uns hatte.
Man sagte mir, dass dieser Luther die Welt bewegte und unsere Gesellschaft prägte
und dass wir ohne ihn heute nicht wären, wer wir sind.
Und ich … nickte natürlich freundlich und zustimmend – aber nicht, weil man das ja so tut.
Sondern weil ich die Aussage begriffen habe, denn die trifft es wirklich ziemlich gut.
(Gina)

 

Luther – voll cool oder nur noch old-school?

Nur noch knapp 40% der Jugendlichen in Deutschland lesen regelmäßig. Ein erschreckender Wert – oder auch nicht? Wieso sollte man denn überhaupt lesen?

Bildung und so, na klar ist das wichtig. Vielleicht bilden Bücher viele Menschen weiter, aber Facebook, Instagram und Co tun‘s doch auch. Und Bücher kosten Geld, viel zu viel Geld. Es lohnt sich doch mehr, wenn man sich das neueste I Phone für 800 Euro kauft, immerhin sind die Apps darauf ja kostenlos.

Hätte Luther früher auch schon ein Smartphone gehabt, hätte er sich viel Arbeit sparen können. Er hätte nur `mal eben `ne WhatsApp-Gruppe erstellen oder twittern müssen und die Nachricht an alle weiterleiten können. Und schon wäre die Arbeit erledigt gewesen. Aber nein, er musste sich ja gleich mit allen anlegen, für eine einheitliche Sprache sorgen, damit er verstanden wird, für die Verbreitung der Bücher sorgen, damit seine Botschaft alle erreicht. Für allgemeine Bildung eintreten, damit alle seine Ideen lesen können. Dumm aber auch. Und für ihn blöd gelaufen.

Keineswegs blöd aber für jene 40% der Jugendlichen. Was würden die nur ohne ihn machen? Dann müssten sie sich ja womöglich mit Social Media oder so beschäftigen. Oder `mal eben ihre Zeit mit dem Drehen eines Fidget-Spinner vertreiben.

Wäre das zukunftsträchtig? Nein, denn Lesen ist Zukunft. Und wir leben für die Zukunft. Also was sagt uns das? Bücher erreichen Stellen, da kommt das Handy gar nicht hin!
(Svea)

 

Lesen – unnütz oder doch von Vorteil?

Martin Luther hat die Welt, wie wir sie heute kennen, entscheidend geprägt. 1534 fertigte er die erste Übersetzung der Bibel an und läutete damit ein neues Zeitalter des Lesens ein: Von nun an war es deutlich mehr Menschen in Deutschland möglich, nicht nur die Inhalte der Bibel zu verstehen. Man benötigte keine Lateinkenntnisse mehr, und bald lasen immer mehr Menschen eigenständig die Druckerzeugnisse in der neuen einheitlichen Sprache.

Doch ist das Lesen auch heute noch von so großem Belang? Muss man sich tatsächlich die Mühe machen, diese komplizierte und komplexe Art der Kommunikation zu erlernen?

Ja, es geht nicht ohne. Stellt euch nur einmal euer Smartphone oder eine Zeitung mit vielen verschiedenen Formen vor, die ihr nicht deuten und verknüpfen könnt. Ihr wollt mit eurem Smartphone über die sozialen Netzwerke kommunizieren oder euch in der Zeitung über die neuesten Nachrichten informieren. Doch wie soll das funktionieren? Vor eurem Auge befinden sich nur wahllos aneinandergereihte Formen, manche eckig, manche rund. Wie könntet ihr aus diesen Formen Informationen entnehmen? Ganz einfach, ohne Hilfe, gar nicht. Ihr würdet euch wie erblindet fühlen, abgeschottet von der Gesellschaft.

Dabei ist es gar nicht schwer, lesen zu lernen. Das Einzige, was man letztendlich tun muss, ist, es regelmäßig zu trainieren. Das passiert mit der Zeit ganz unbewusst und automatisch, da man in der Öffentlichkeit viel häufiger mit Texten aller Art konfrontiert wird, als einem überhaupt bewusst ist. Deshalb nutzt die Chancen, lest, was das Zeug hält – denn das Lesen gilt nicht zu Unrecht als eine der bedeutendsten Kulturtechniken unserer menschlichen Geschichte.

Und so gehört das Lesen auch untrennbar zu meiner eigenen Geschichte. Als ich ein kleines Kind war und noch in die Grundschule ging, habe ich mich tierisch gefreut und war stolz auf mich, wenn ich ein Kinderbuch mit über 100 Seiten durchgelesen hatte. Allerdings benötigte ich schon damals eine lange Zeit, um wirklich mit Freude ein Buch zum Lesen in die Hand zu nehmen. Mit zunehmendem Alter sank diese Motivation dann noch weiter. Doch als ich etwa 12 oder 13 Jahre alt war, bekam ich ein Buch zu Weihnachten geschenkt, welches meine Einstellung zum Lesen stark verändern sollte. Wie bei allen anderen Büchern zuvor benötigte ich auch bei diesem zunächst eine längere Zeit, um mich aufzuraffen, die erste Seite aufzuschlagen. Aber als ich es dann schließlich getan hatte, zog mich dieser Roman in einen nahezu magischen Bann, der meine Fantasie um einiges vergrößern sollte. Das Werk hatte mich mit all meinen Sinnen gefangen genommen, ja geradezu gefesselt. Es hat mich gebildet und Interessen in mir geweckt, über die ich mir sonst nie bewusstgeworden wäre. Resultierend ist das Lesen seit jenem Buch eine sehr große Leidenschaft von mir und ich würde es niemals wieder missen wollen.

Und so ein Erlebnis wünschte ich wirklich jedem/jeder!
(Marieke)

 

Liebe Literaturbanausen, liebe Buchstabennazis!

„Wo Gott eine Kapelle baut, baut der Teufel eine Kirche daneben“ – Martin Luther,
oder: im Namen seines Vaters „Martin Luder“
Und das war er auch für die katholische Kirche: ein hinterhältiges, unverschämtes Luder.

Vom Bruder zum Luder – Die Affäre des Martin Luther.
So könnte der Titel eines Pornos der 2000er lauten oder ein aktuelles Kinodrama mit berühmten YouTubern in den Hauptrollen, aber Martin war weder Pornostar, noch hätte ihm die Idee des doch so intellektuellen YouTube Dramas gefallen, denn
Martin tat ähnliches wie Moses.
Nein, er spaltete nicht das Meer.
Er spaltete die Kirche.
Machte sich mit seinen 95 Thesen auf den Weg und verpasste der Kirche buchstäblich nicht nur einen, sondern gleich 95 Denkzettel.
Denkzettel, die sich gewaschen hatten.
Da half auch kein Ablasshandel mehr.
Nur war der Plan nicht ganz durchdacht und die Kirche hat gelacht:
“Das sind ja schöne Worte, die da stehen, doch kann ein Bauer ihren Sinn nicht sehn.“
Luther drehte der Kirche seinen Rücken zu und blätterte in seiner deutschen Bibel.

Und nun stehen wir hier – stehe ich hier,
sehe Buchstaben auf Papier,
lese Worte und Abfolgen von Sätzen.
Bezweifelnd, dass es auch so gekommen wäre, hätten die Worte der Priester sich nicht als Fake News herausgestellt, mache ich mich doch ab und an auf den Weg in die Buchhandlung, an der Kirche vorbei.

Suchend nach Identität, Heldenfiguren und Feindbildern stolpere ich durch offene Türen in eine neue Welt.
Stolpere ich aus meiner Welt heraus, die mir manchmal doch so ungerecht erscheint – einer Welt, in der einige lesen können und andere nicht.

Ich verliere mich in Geschichten, die die Welt veränderten.
Ich verliere mich in Abenteuern, die zur Wanderlust anregen.
Ich tauche in ein unentdecktes Land ein, von dessen Bezirk sein Wanderer nicht unverändert wiederkehrt.
Lediglich mein Lesezeichen, auf dem steht: “Wer das liest, ist doof“, reißt mich wieder aus dieser Welt.
Plötzlich verweht meine lethargische Euphorie dem Leben gegenüber,
meine Apathie wandelt sich.
Ich strebe nach Revolten.
In mir schwirrt der Wunsch des Einflussnehmens.
Ich wünsche mir, dass jeder lesen kann,
dass jeder die Möglichkeit hat, sich selbst zu bilden,
dass jeder selbst nachlesen kann, was tatsächlich geschrieben steht, und sich nicht darauf verlässt, was irgendwer mal irgendwann sündhaft in die Masse gerufen hat.
Denn so wie Luther damals die Kirche spaltete, spalten Vorurteile auch heute noch unsere Gesellschaft, und die, die auf der richtigen Seite des Spaltes stehen, können sich einfach drehen und müssen die am Abgrund nicht sehen.
Aber wer lesen konnte, war schon zu Luthers Zeit klar im Vorteil, und wer‘s heute nicht kann, der hört sich eben das Hörbuch an.
Doch Lesen ist eine Investition, denn ein Kind, das liest, wird ein Erwachsener, der denkt – und Denken ist schon wichtig, denk ich mal, oder was denkt ihr?
(Florence)

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