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Martin Luther

Martin Luther im evangelischen Religionsunterricht – zwingend, zentral und unvermeidlich (ein Bericht von der „täglichen Unterrichtsfront“)

Um es vorweg zu bemerken: Kultur- und geistesgeschichtlich Interessierte werden den Reformator Martin Luther nicht ernsthaft ignorieren können, wenn sich das 500jährige Jubiläum des Thesenanschlages zu Wittenberg in diesem Jahr jährt. Der Norden Deutschlands, große Teile Mitteldeutschlands, das gesamte Nordeuropa sind geprägt vom lutherischen Protestantismus, sodass unser Blick zwingend auf Martin Luther fallen muss, wenn wir die konstitutiven Merkmale unserer gesellschaftlichen, politischen und geistesgeschichtlich-kulturellen Gegebenheiten aus der Vergangenheit verstehen –  und für die Gegenwart produktiv entschlüsseln wollen.

Was aber kann der evangelische Religionsunterricht über allgemein Verständliches hinaus Besonderes zu diesem Thema beitragen? Die Antwort lautet: einen vertieften historisch – theologischen Blick auf dem Hintergrund jener Wissensstände, die sich den Teilnehmern des Religionsunterrichts naturgemäß erschließen. Der folgende Beitrag beschreibt diesen nicht immer ganz einfachen Weg zu qualifizierten Luther-Forschern …

Luther, so wurde uns schnell klar, war hier nicht allein aus sich heraus zu verstehen, sondern nur im Kontext weiterer, im Religionsunterricht erworbener Kenntnisse. So blickten wir zurück, um mit unserer Luther-Einheit an zwei früheren Unterrichtseinheiten „anzudocken“:

1. … unserer Beschäftigung mit den Wunderheilungen Jesu als dem Ausdruck einer neutestamentlichen Botschaft von dem „Kommen des Reiches Gottes (basileia tou theou), in dem der Mensch angenommen und geheilt wird (Gleichnis-Beispiele waren hier: „Die Heilung des blinden Bartimäus“; „Die Heilung der Blutflüssigen“; „Die Heilung der Tochter des Jairus“ u.a.), einem theologischen (Erzähl-) Konzept, das Menschen in einer leidvollen Situation in den Mittelpunkt der Darstellung rückt und deren Lebensumstände durch das Heilshandeln Jesu wieder in einen harmonischen Zustand überführt sieht. Gott, hier trinitarisch gedacht, zeigt sich in den jesuanischen Wunder-Erzählungen gnädig und voller Erbarmen. Gnade, Hinwendung und Lebenshilfe sind wiederum jene Stichwörter, die Luther letztlich aufgreift, als er um seinen gnädigen Gott ringt. Am Ende werden aus „Strafe und Höllenfeuer“ „Sünde und Rechtfertigung“, der Mensch zum von Gott Angenommenen, der mittels „sola fide“ (s. Römerbrief!) zu einem gottgefälligen und rechten Leben finden kann. Dieser Vorgang kommt einer Neugeburt gleich, das Lebensrettende und -erhaltende der Botschaft der Evangelien gilt, wobei der Glaubende nur Zugang zu den Texten der Bibel gewinnen muss, um seinen Teufelskreis aus Sünde und Sünderdasein zu durchbrechen. Unübersehbar winkt hier Luther aus nächster Nähe, auch wenn es vor ihm und nach ihm variantenreiche und andere Ausdeutungen des Phänomens göttlichen Gnadenhandelns gegeben hat und gibt …

2. … unserer Beschäftigung mit Überlieferungstraditionen, wie wir sie exemplarisch am Beispiel der Kanon-Bildung des Neuen Testamentes, in diesem Fall den synoptischen Evangelien, kennengelernt haben. Hier gilt es, besonders die Zwei-Quellen-Theorie als Terminus zu nennen –  Grundwissen Fortgeschrittener. Die Theorie besagt, dass der erste Evangelist Markus mit seinen Erzählungen vom Leben Jesu zusammen mit der Quelle Q (Logien, die nachweislich Jesus zugeschrieben werden) eine Vorlage für jene späteren Evangelien des Matthäus und Lukas gebildet hat, sodass wir mit Blick auf unterschiedliche Entstehungszeiten biblischer Schriften von einer sich dahinter verbergenden autorentypische Redaktionsgeschichte sprechen müssen. Das Buch der Bücher ist und bleibt eine Sammlung verschiedenster Schriften und „Versatzstücke“ … einstmals rigoros redigiert und in der Geschichte kanonisiert. Das betrifft sowohl das Alte als auch das Neue Testament.

Zwar steht diese bestechend einleuchtende historisch-kritische Methode einer Bibeltextauslegung aus dem 19. Jahrhundert dem Theologen Luther (des 16. Jahrhunderts!) noch nicht zur Verfügung, aber dieser ahnt zumindest die Komplexität der vorliegenden Texte, bricht konsequent mit alten Zöpfen einer statischen Bibelauslegung und wird zum Rückkehrer zu den Quellen (ad fontes) – und legt die lateinische Bibelfassung der Römischen Kirche beiseite, um sorgfältig um jedes Wort ringend eine deutsche (!) Fassung zu erstellen.

Beide Wissensschwerpunkte waren uns Voraussetzung dafür, Luthers Weg besser zu verstehen, d.h. im Wesentlichen seinen theologischen Ansatz, der sich hier mit seiner Übersetzungsarbeit verbindet. Eines  ist ohne das andere nicht denkbar, und Luther geht den Dingen so akribisch auf den Grund, dass er infolge der Entwicklungen, die zu einem direkten Zugang der Gläubigen zum Bibeltext auf Deutsch führen, den Rahmen jener  Kirche sprengt, die er doch eigentlich retten und reformieren wollte. Gleichzeitig wird er richtungsweisend für die deutsche Sprachkultur.

Dann ging es zur Luther-Biographie und damit zum Luther-Film: Der Luther-Film (zu dem bereits weitere Beiträge für den Blog angekündigt sind – wir freuen uns darauf!) visualisiert hier als eigenständiges Medium Historie und Zeit, verdeutlicht nochmals Herkunft, Umfeld, einflussnehmende Gewalten und Werdegang Luthers in biografischer Hinsicht, die dann Themen weiterer Gespräche wurden

So wertete unsere  ATTRIBUT-Runde dann: Wir suchten nach Stichwörtern für Luther – spontan und ungefiltert. Dabei fielen Wörter wie „christlich, willensstark, gläubig, intelligent, entschlossen, stur, dickköpfig, komisch, eigenwillig, gegen die römische Kirche, Berühmtheit, Kirchenverteidiger, entschlossen, durchsetzungsstark, hilfsbereit, großherzig, wütend, liebend, verzeihend, ehrgeizig, sprachbegabt, Gelehrter, Durchsetzungsvermögen, Wut, Gerechtigkeit, Bibelübersetzung, 95 Thesen, Katechismus, Nächstenliebe, Bibelübersetzer, Wortkämpfer, Christ, Prediger, deutsche Sprache,  …“

 

Unsere im Anschluss absolvierte FRAGE-RUNDE bildete ab, welche Fragen wir wohl selbst Luther hätten stellen können und wollen, wenn wir ihm begegnet wären und hätten interviewen können –  die wohl persönlichste war: „Was hat dich glücklich gemacht, und wann warst du am zufriedensten?“ Leider konnte Luther nicht persönlich antworten …

Der weiterer Rückgriff auf Quellentexte geschah über eine Beschäftigung mit dem Kleinen Katechismus als Beispiel praktischer Lebenshilfe („Ratschläge für den Hausvater und die Hausmutter“), einer partiellen Lektüre des Römer-Briefe, führte zu einem Entwurf eines Gesamtschemas (Schlüsselwörter: Theologie der Rechtfertigung, Mittel zum Erringen des Seelenheils, Laienpriesterschaft und Bibelübersetzung) und floss in die sehr konkrete Erarbeitung von Plakaten, die, eigenwillig konzipiert, aber gelungen,  in zwei turbulenten Sitzungen entstanden.

 

        

         

Übersetzungsarbeit wird schließlich als Thema nochmals aufgegriffen und in einem Eigenversuch erprobt. PSALM 23, dessen Übersetzung wir in unterschiedlichen Fassungen nebeneinanderlegten und verglichen (Luther-Bibel, Basis-Bibel, Gute Nachricht, Volxbibel, Einheitsübersetzung), wurde in eine moderne Gegenwartssprache „übersetzt“. Hier ein Modernisierungsversuch:

Ein Psalm Davids (Psalm 23):

1. Mein Herr ist mein Beschützer und mir wird nichts fehlen. 2. Er bringt mich zu einer All-you-can-eat-Bar mit allem, was ich liebe.3. Er gibt mir Kraft. Und bringt uns nicht auf die schiefe Bahn. 4. Auch wenn ich keinen Ausweg sehe, werde ich keine Angst haben, denn er wird mich sicher wieder herausziehen. 5. Er baut ein Buffet für mich auf, obwohl alles nach Streit aussieht, er glaubt an mich, weil er mich nie aufgibt. 6. Er respektiert mich, mein Leben lang tut er mir Gutes und hält nie etwas zurück. Und ich kann bei ihm zu Hause sein.   (Lea)

Am Ende unserer Einheit blieb uns nur zu sagen: „Herzlichen Glückwunsch, Martin LUTHER, zur Reformation! Werfen wir uns in den Disput, ausgestattet mit dem Wissen um diesen streitbaren Reformator und mit neuen Blickwinkeln!“

Die sicherlich in mancherlei Hinsicht zu Recht geübte Kritik an seiner Person überlassen wir hier jetzt  anderen … und sind dann „erst einmal weg!“ – pilgern, um genau zu sein, auf den Spuren mittelalterlich anmutender Glaubenserfahrungen, zusammen mit Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg … Vielleicht treffen wir uns ja da … !?

Es grüßen: Ria, Tjarek, Tino, Emma, Lea, Alischa, Kathi, Gisa, David, Anton, Tule, Mads, Paul, Justus, Thore, Jenny und Lea (Reiseleitung: Jo)

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Auf Spurensuche im elisabethanischen England

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Seit ziemlich genau zwanzig Jahren findet regelmäßig der England-Austausch des Fördegymnasiums mit der Simon Langton Grammar School for Boys aus Canterbury statt (ein Jubiläum, das ebenfalls gewürdigt zu werden verdient!). Den berühmtesten Sohn der Stadt, Christopher Marlowe (geb. 1564), kennen unsere Schülerinnen und Schüler nur durch Hinweisschilder oder Werbetafeln mit der Aufschrift „Marlowe Theatre“ oder „Marlowe’s Restaurant“, die vielleicht nur für Sekunden in ihr Bewusstsein treten, wenn sie bei ihrem Besuch durch die Straßen schlendern.

Marlowe, eine schillernde Persönlichkeit und zu seinen Lebzeiten berühmter als Shakespeare, war nicht nur Dichter, sondern auch Geheimagent, Münzfälscher, Atheist und höchstwahrscheinlich Gotteslästerer. Er starb mit nur 29 Jahren bei einer Auseinandersetzung in einem Pub in der Nähe Londons. Ein Messerstich ins Auge verwundetete ihn tödlich.

Die Hauptfigur in Marlowes Tragödie The Tragical History of the Life and Death of Doctor Faustus (verfasst 1592/93), die ihm aus einer Übersetzung der deutschen Historia von D. Johann Fausten bekannt gewesen sein dürfte, treibt in wichtigen Passagen des Stückes sein Unwesen in der Lutherstadt Wittenberg. Wie Goethes Faust geht auch Doctor Faustus in seiner Studierstube den berüchtigten Pakt mit dem Teufel ein. Im Gegensatz zu Goethes Hauptfigur findet Marlowes Faustus jedoch ein schreckliches Ende durch die Handlanger Beelzebubs. In der letzten Szene des Stückes lesen seine ehemaligen Weggefährten nach einer stürmischen Nacht die Leichenteile des Gelehrten in den Straßen der Stadt auf.

Marlowe selbst hat Wittenberg nie besucht. Die Stadt war den einschlägig Gebildeten aber als ein Zentrum der Reformation bekannt. Da der Dichter, der fast zwanzig Jahre nach Luthers Tod geboren wurde, in Cambridge u.a. Theologie studierte, kam er sicherlich mit reformatorischem Gedankengut in Berührung. Wobei hier angemerkt werden muss, dass die Ideen Calvins einen viel größeren Eindruck in England hinterließen als die Lehre Luthers.

Den Beginn der englischen Reformation markiert der von Heinrich VIII. bewusst herbeigeführte Bruch mit dem Papst (1534) wegen dessen Weigerung, die königliche Ehe mit Katharina von Aragon, die ihm keine (überlebenden) männlichen Nachkommen schenkte, aufzulösen. Heinrich war kein Anhänger von Luthers Ideen. Sein Interesse galt in erster Linie den Reichtümern und Landbesitz der katholischen Kirche. Erst sein Sohn Edward VI war ein eifriger Verfechter der neuen Lehre und begann mit Hilfe des Kronrats – Edward war lediglich neun Jahre alt, als er gekrönt wurde – die eigentliche reformatorische Umgestaltung des Köngreiches, so wurden z.B. die Heilige Messe und das Zölibat verboten. Nach Edwards frühem Tod (1553) bestieg Heinrichs Tochter Maria, eine glühende Katholikin, den Thron und ließ Protestanten verfolgen und verbrennen, daher der Name „Bloody Mary“. Nach wieder nur kurzer Regierungszeit, Maria starb 1558, wandte sich das Königreich unter Elisabeth I. erneut dem Protestantismus zu. Eine Kontinuität der religiösen Verhältnisse sucht man im England der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vergebens.

Diese Verwirrung spiegelt sich auch in Doctor Faustus wider. Theologische Widersprüche durchziehen das Stück. Neben der katholischen Idee des Fegefeuers finden sich Anklänge der Prädestinationslehre Calvins und Luthers Sola fide – Konzept. Andere Literaturwissenschaftler wiederum vertreten die Ansicht, dass Marlowes Stück grundsätzlich anti-christlich sei. Dieser Eindruck wird durch die zum Teil abenteuerliche Handlung, die gespickt ist mit übernatürlichen Begebenheiten und sensationellen Wendungen, verstärkt. Doctor Faustus hat schon auf zeitgenössische Zuschauer einen so großen Eindruck gemacht hat, dass Gerüchte kursierten, echte Teufel seien auf der Bühne erschienen.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Christopher Marlowes Tragödie auch in Zukunft keine Rolle im Englischunterricht der Oberstufe spielen wird. Es stellt sich allerdings die Frage, wann die Filmindustrie endlich Marlowes aufregendes Leben für sich entdecken wird. Es gibt sehr gute moderne Filmbiografien über Shakespeare oder Luther. Immerhin hat Marlowe eine Nebenrolle in Shakespeare in Love. Dabei stellt Marlowes Lebensweg den des Barden aus Stratford mit Leichtigkeit in den Schatten. Im Vergleich zu Luther bin ich mir da nicht so sicher.

Fest steht, dass beide Männer zwiespältige Persönlichkeiten waren. Für Christopher Marlowe sei hier lediglich der Theologiestudent, der später der Gotteslästerung angeklagt wird, erwähnt. Diese Widersprüchlichkeit findet sich, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, ebenfalls in der Persönlichkeit Luthers wieder. Hier stehen der brillante Theologe und unbestechliche Reformator dem rechthaberischen Hitzkopf und selbstquälerischen Eiferer gegenüber.

Sowohl am Dichter als auch am Reformator lassen sich die Umbrüche der beginnenden frühen Neuzeit deutlich ablesen. Während Marlowe jedoch lediglich darüber schrieb, wie Faustus seine Umwelt, inklusive Kirchenvertreter, durch Teufelswerk blendet – „And I, that have […] / Gravell’d („erstaunt“) the pastors of the German church“ – leitete Luther, wenn auch unbeabsichtigt, von Wittenberg aus einen grundlegenden Wandel der damals herrschenden christlichen Ordnung ein.

Matthias Grigo (für die Fachschaft Englisch)

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Luther-Blog

Unser Projekt

„Bauernkind und Bergmannssohn“ – mit diesem Kapitel beginnt eine ebenso berühmte wie antiquiert wirkende Biographie Martin Luthers von Richard Friedenthal, womit bereits Wesentliches gesagt ist: Luther ist ein Mann des Volkes. Und als solcher wusste er um die Qualen seiner Mitmenschen, ihrer Angst vor dem Höllenfeuer und vor einem Jenseits, in dem das irdische Leben als zu seicht und sündig könnte gewogen werden. Die Darstellungen des Mittelalters lassen hier keinen Spielraum in ihrer Drastik und Konkretheit von Folter und Qual. Der Mensch des Mittelalters lebt in einer Epoche, die an die Türen der Neuzeit klopft, und sie ist bei aller kulturellen Höchstleistung bestimmt von einem Wachsen und „Herauswollen“ aus Beschränkung und Beschränktheit.

Selbst daran leidend, gerät Luther als Mönch in die Fänge eines klugen Abtes, der ihn fördert und auf den rechten theologischen Weg bringt: Johann von Staupitz ist ein Glücksfall, ebenso, wie es später sein Landesherr Friedrich der Weise sein wird, sein sprachmächtiger Freund Melanchthon, seine Freunde aus dem deutschen Adel und Hochadel, der befördernde Umstand einer Erfindung, Buchdruck genannt, und zuletzt eine Frau an seiner Seite, die er in Hochachtung vor ihrem Wissen und Können zur „Meisterin“ erklärte. Und vielleicht bedurfte es auch eines so verschlagenen Tetzels, eines so unbelehrbaren Cajetans, um hier jemanden konsequent aus der Reserve zu locken!?

Luther, ein Kind seiner Zeit und doch so untypisch wie nur eben möglich in seiner konsequenten Opposition zu den Mächten seiner Zeit! Als Multitalent, sprachbegabt, klug und wortgewaltig, stur und unbelehrbar ging er seinen Weg, auf dem er keineswegs allein war … Unvergessen: sein „Hier stehe und kann nicht anders“ – oder war es doch ein wenig anders?

Neben dem dauerhaften wissenschaftlichen Interesse und den Forschungen der Theologen, Kirchenhistorikern, Sprachforschern, deren vielfältige Veröffentlichungen sich im Luther-Jahr förmlich überschlagen, gibt es auch Bücher mit so vergnüglicheren Titeln wie „Hier stehe ich, es war ganz anders“ von Andreas Malessa, die mit leichter Hand und einem Augenzwinkern Korrekturen bisheriger Erkenntnisse vornehmen. Keine Woche, in der nicht selbst ein regionales Tageblatt wie der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag sich des Kirchenreformators annimmt, sei es in Form recht hergeholter Adaptionen und Übersetzungen einer der 95 Thesen oder vielfältiger Veranstaltungshinweise; kein Monat ohne Ausstellungen, Installationen, ein Musical auf Hamburger Bühnen, Aufführungen in Niederdeutsch in kirchlichen Räumen am Flensburger Marktplatz (warum denn bloß Niederdeutsch, fragt man sich hier, Luther sprach und schrieb in der Wettischen Kanzleisprache, man mag sich die Folgen für die Entwicklung des Hochdeutschen gar nicht ausdenken, wäre Luther hier geographisch und sprachlich anders verortet gewesen …).

Geradezu beeindruckend: Das Luther-Jubiläum bringt manchen Hype hervor, den wir nur von königlichen Hochzeiten kennen: Luther-Tassen, Luther-Teller, Luther-Kekse, Luther-Bonbons, Luther-T-Shirts – und: nicht zuletzt bereits zu Beginn des Jahres mehr als 400000 verkaufte Playmobil-Figuren  des Reformators, als wäre er so etwas wie die Lady Di der Theologie …

Wie nun aber war Luther wirklich? Was bedeutet er uns heute noch? Was heißen 500 Jahre Reformation für unsere säkulare Gegenwartswelt? Was heißen sie für unsere doch um einige Längen kleinere Schulwelt? Hier wollen wir unser spezielles Luther-Projekt zum Jubiläumsjahr angehen: in digitalen Zeiten als schulinterner Luther-BLOG, in den je nach Forschungslage, Unterrichtsplanung und -verlauf einzelne Fachschaften ihre Beiträge zum Thema „LUTHER – 500 Jahre Reformation“ einstellen können.

Am Ende des Luther-Jahres werden wir sehen, was auch uns das Luther-Jahr gebracht hat! Bei dieser Arbeit wünschen wir natürlich viel Erfolg und grüßen kollegial,

mit einleitenden Gedanken von Dorothee Joldrichsen (Fachvorstand Evangelische Religion)

 

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